„Zweimal wurde ich schon umgebracht,
einmal habe ich selber getötet!“
(Mutter, 43 Jahre)
LAN-Party für Eltern

Computerspiele gehören zum Freizeitverhalten vieler Kinder und Jugendlicher und sind aus dem Alltag von Familien nicht mehr wegzudenken. Eltern hingegen haben wenig Berührungspunkte mit der Computerspielewelt ihrer Kinder und reagieren häufig mit Ablehnung, wenn Explosionen, kriegerische Szenarien oder das Jagen von Gnomen in fantastischen Welten auf den Bildschirmen ihrer Kinder zu sehen sind. Damit Eltern die Faszination und den Reiz, den diese Spiele für Kinder haben, besser verstehen können, veranstaltet die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen LAN-Parties für Eltern. Dort können Eltern und pädagogische Fachkräfte Spiele selbst ausprobieren, um eine Basis für die Auseinandersetzung mit ihren Kindern über Computerspiele und deren Wirkung zu haben.

Auf einer LAN-Party messen sich die Teilnehmenden in Spielen, bei denen Taktik, Strategie und Geschick gefordert werden. Bei diesen Eltern-LAN-Parties stehen Spiele verschiedener Altersfreigaben und verschiedener Genres zur Verfügung, um das breite Spielangebot, auf das Kinder und Jugendliche auch zugreifen können, abzubilden. „Eltern können aber auch so genannte Ballerspiele, also Action-Spiele wie Overwatch ausprobieren und sich selbst einen Blick verschaffen, warum ihre Kinder das so faszinierend finden“, erläuterte Andrea Urban, Leiterin der Landesstelle Jugendschutz bei einer LAN-Party im vergangenen Jahr in Hannover. Die Eltern benötigen keine Vorkenntnisse, nur den Mut, sich an die Spiele heranzuwagen. Hilfestellungen für das erste Erleben in den virtuellen Welten geben kleine Spielanleitungen mit den wichtigsten Befehlen bzw. Tastenkombinationen, die neben den Rechnern liegen. Die gesamte Technik wird von freien Mitarbeitern der LJS aufgebaut und betreut. Sie geben auch Erklärungen zu den Spielen und helfen weiter. Neben den vernetzten Rechnern und Tablets stehen Spielekonsolen wie die Sony Playstation 4 samt der dazugehörenden VR-Brille zur Verfügung, mit der man Spiele im dreidimensionalen Raum erleben kann. Eltern verlieren durch die Betreuung und leicht zu bedienenden Spielen ihre Hemmschwelle gegenüber den Spielewelten ihrer Kinder. Erfahrungsgemäß trauen sie sich dann auch an die vernetzten Rechner heran, auf denen die Spiele installiert sind, die von ihren Kindern gespielt werden.

Es hat sich gezeigt, dass die Eltern dem Spielen gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Häufig zeigen sie sich erleichtert, wenn sie feststellen, dass es eine Menge von attraktiven Spielen gibt, bei denen Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Koordinationsgabe gefragt sind. Aber auch die Auseinandersetzung mit problematischen Spielen und mit den Ängsten der Eltern, dass die Kinder durch das Spielen gewalthaltiger Inhalte selber gewalttätig werden könnten, ist eine wichtige Aufgabe an so einem Abend. Neben dem eigenen Erleben in den verschiedenen Spielewelten bekommen die Eltern weitere Informationen rund um das Medium Computerspiele. In Vorträgen werden den Eltern verschiedene Aspekte der Jugendschutzarbeit näher gebracht: die Altersfreigaben von Computerspielen, die Einrichtung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Gefährdungspotentiale von Spieleinhalten und die Gefahren einer exzessiven Spielenutzung werden thematisiert. Besonders interessiert sind Mütter und Väter nach wie vor an der Diskussion über die Wirkung von Computerspielen. „Ich glaube nicht, dass man gleich zum Mörder wird, wenn man virtuelle Menschen abknallt“ (Vater, 47 Jahre). Zudem erhalten Eltern Tipps für die Medienerziehung zu Hause und werden aufgefordert, aus ihrer eigenen Erziehungspraxis zu erzählen.

Der so gewonnene Einblick in die Computerspielwelt der Kinder soll Eltern ermutigen, sich mit den Themen ihrer Kinder auseinander zu setzen und Verständnis für ihre Freizeitbeschäftigung zu entwickeln. Bei den Veranstaltungen geht es nicht darum, Mütter und Väter von Computerspielen zu überzeugen, sondern ihnen Grundlagen für eine medienpädagogische Auseinandersetzung zu vermitteln. Nur so können sie sich positionieren und sich mit ihren Kindern austauschen. Oftmals ist den Eltern nicht bewusst, welche Kompetenzen ihre Kinder aufweisen, um in den Spielen gut zu sein. Die Eltern-LAN-Parties bieten auch einen Raum des Austausches. Mütter und Väter können untereinander von ihren Erfahrungen berichten, diskutieren und somit neue Ideen zum Umgang mit den Computerspielen sammeln. „Ich finde das total klasse, dass es solche Veranstaltungen für Eltern gibt, wo man Spiele auch ohne Anwesenheit der Kinder ausprobieren kann. Mit meinen heute gewonnenen Erfahrungen haben wir zu Hause eine andere Grundlage, um im Gespräch über die Computerspiele bleiben zu können“ (Mutter, 47 Jahre).

Eva Hanel, Medienreferentin LJS
Überarbeitet Juni/2017